Was würde Einstein zu Aleppo sagen?

Mittwoch, 14. Dezember, 2016 0 No tags Permalink 0

Wer hat zu verantworten, was augenblicklich in Aleppo geschieht? Was würde Einstein antworten? Einstein würde hier den Horizont wohl einwenig öffnen und sagen: Jede(r) Einzelne von uns. Durch jahrelanges, im entscheidenden Augenblick noch schmerzloses Tun und Unterlassen. Sei es aus Dummheit oder aus einem grössenwahnsinnigen Abwehrreflex gegen peinliche Ohnmacht (doch Dummheit speist sich immer daraus; dem Denken in Grenzen liegt die Angst vor Entgrenzung zugrunde).

Welches Tun und Unterlassen? Durch die Wahl derjenigen VolksvertreterInnen, die seit Jahren europäische Föderalisten oder Weltföderalisten wahlweise als realitätsferne Gutmenschen verächtlich machen oder als Landesverräter diffamieren; VolksvertreterInnen, die seit Jahrzehnten das Wort „Selbstbestimmung“ im Munde führen, Freiheit, Selbstbestimmung und politische Handlungsfähigkeit unter diesem Titel aber genau umgekehrt pervertieren und behindern; und VolksvertreterInnen, die diesen Politikstil nachmachen oder zu ihm schweigen.

Einstein schrieb am 30. Juli 1932 an Freud: «Der Weg zur internationalen Sicherheit führt über den bedingungslosen Verzicht der Staaten auf einen Teil ihrer […] Souveränität, und es dürfte unbezweifelbar sein, dass es einen anderen Weg zu dieser Sicherheit nicht gibt.» Tun und Unterlassen fällt auf einen selbst zurück, und die Geschichte lehrt, dass es schnell gehen kann.

Matthias Bertschinger
Präsident Nebs Sektion Basel

0

Noch keine Kommentare

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.