Die oft vergessene psychologische Ebene von Rassismus und Diskriminierung

Mittwoch, 16. Juli, 2014 0 No tags Permalink 0

bz Basel, 14. Juli 2014  ¦

Christoph Bopp beschreibt die biosoziale Ebene von Rassismus bzw. Diskriminierung (bz vom 10. Juli 2014): der in uns angelegte Drang zu Gruppenbildung und Exklusion, das Zugehörigkeit konstituierende System. Es gibt jedoch auch noch die psychologische Ebene im Menschen, die sich des in uns Angelegten und des sozialen Systems für seine eigenen Zwecke bedient (Martin Heidegger lässt grüssen). Erich Fromm sprach in diesem Zusammenhang von einer „Okkupation des Triebwesens“ durch das Bewusste beziehungsweise Unbewusste: Der Geist bedient sich der Triebhaftigkeit und des sozialen Systems für Zwecke, die er vor sich selbst verbirgt (Sartres „Unaufrichtigkeit vor sich selbst“). Was sind das für Zwecke?
Der Basler Philosoph Karl Jaspers meinte, in Schwachen und Ausgegrenzten bekämpfen Menschen (unter Zuhilfenahme ihrer Gruppe und ihres Triebwesens) ihre eigene Hinfälligkeit. In Fremden bekämpfen Menschen sinngemäss ihre eigene, existentielle Bedrohtheit. Diskriminierung ist so gesehen Reaktion auf die bedrohlichen Aspekte des Daseins, Reaktion auf Bewusstsein. In Fremden hasst und in Schwachen verachtet der Mensch stellvertretend („Sündenböcke“) diese bedrohlichen Aspekte des Lebens und damit letztlich das Leben selbst: Was wir anderen antun, tun wir so gesehen uns selbst bzw. dem „Leben als solchem“ an (hier öffnet sich das weite Feld der Religionsphilosophie).
Gegen Rassismus und Diskriminierung – und damit gegen kriegerische Konflikte – hilft letztlich nur ein Sensibilisierung bezüglich der in uns „angelegten“ Verführbarkeit zu Fremdenfeindlichkeit, und diese Sensibilität wird geschult durch eine humanistische Bildung , die laut den Schlafwandlern unter unseren Politikern der Wirtschaft nichts nützt und nur kostet. Mit Bildung steht und fällt aber die Demokratie.

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